Rund 3,5 Millionen Kinder in Deutschland essen regelmäßig in der Schule zu Mittag. In der Offenen Ganztagsschule ist das Mittagessen kein Nebenschauplatz, sondern ein fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts. Kinder, die hungrig in die Nachmittagsbetreuung gehen, können sich nicht konzentrieren. Kinder mit Allergien, die das falsche Gericht bekommen, landen im schlimmsten Fall im Krankenhaus.
Für OGS-Teams bedeutet die Verpflegungsorganisation tägliche Routinearbeit mit hoher Verantwortung. Von der Wahl des Verpflegungsmodells über die Kostenkalkulation bis zum Umgang mit Allergien und Unverträglichkeiten – dieser Artikel zeigt, worauf es in der Praxis ankommt.
Drei Verpflegungsmodelle im Vergleich
Die meisten OGS-Standorte arbeiten mit einem von drei Modellen. Jedes hat Vor- und Nachteile, die von den räumlichen Gegebenheiten, dem Budget und der Trägerstruktur abhängen.
Externer Caterer
Das verbreitetste Modell. Ein Cateringunternehmen liefert täglich fertige Mahlzeiten, die in der Schule ausgegeben werden. Der Vorteil: kein eigenes Küchenpersonal, keine Küchenausstattung, kalkulierbare Kosten pro Portion. Der Nachteil: eingeschränkte Flexibilität bei kurzfristigen Änderungen, längere Warmhaltezeiten und weniger Einfluss auf die Rezeptur.
Eigene Küche (Frischküche oder Mischküche)
Einige größere Schulen kochen selbst. Das ermöglicht frische Zubereitung, kurze Wege und direkte Abstimmung bei Allergien. Der Aufwand ist allerdings erheblich: ausgebildetes Küchenpersonal, Investitionen in Ausstattung, regelmäßige Hygienekontrollen und eine verlässliche Einkaufslogistik.
Mischformen
In der Praxis gibt es zahlreiche Zwischenlösungen. Ein Caterer liefert die Hauptkomponente, das OGS-Team ergänzt frisches Obst, Salat und Getränke. Oder mehrere Schulen eines Trägers teilen sich eine Zentralküche, die täglich ausliefert. Welches Modell passt, hängt vom Standort ab – eine pauschale Empfehlung gibt es nicht.
Was das Mittagessen kostet und wer zahlt
Eine Mittagsmahlzeit in der OGS kostet typischerweise zwischen 3,00 und 5,00 Euro pro Portion. Die genaue Höhe hängt vom Verpflegungsmodell, der Region und dem Qualitätsanspruch ab. In vielen Kommunen wird der Preis durch Zuschüsse des Trägers oder der Stadt gedämpft, sodass Eltern weniger als die tatsächlichen Kosten zahlen.
Für Familien mit geringem Einkommen greift das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT). Der Eigenanteil für das Mittagessen entfällt seit 2019 vollständig – berechtigte Familien zahlen also nichts. OGS-Teams sollten Eltern aktiv auf diese Möglichkeit hinweisen, denn viele Familien kennen den Anspruch nicht oder scheuen den Antrag. Die Abrechnung läuft in der Regel direkt zwischen Träger und Jobcenter oder Sozialamt. Wie Sie die Elternkommunikation in der OGS gestalten, spielt hier eine zentrale Rolle.
Allergien und Unverträglichkeiten sicher managen
Laktoseintoleranz, Erdnüsse, Gluten, Fischallergie – in einer typischen OGS-Gruppe mit 25 Kindern gibt es fast immer mehrere Kinder mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien. Die Verantwortung liegt beim OGS-Team, und sie ist nicht delegierbar.
Dokumentation
Jede Allergie und Unverträglichkeit muss schriftlich dokumentiert sein – idealerweise bereits bei der Anmeldung. Die Information muss allen Mitarbeitenden zugänglich sein, die mit der Essensausgabe zu tun haben. Das betrifft auch Vertretungskräfte, Praktikanten und ehrenamtliche Helfer. Achten Sie darauf, dass die Dokumentation den Datenschutzanforderungen der DSGVO entspricht, denn Gesundheitsdaten gehören zu den besonders schützenswerten Kategorien.
Kommunikation mit Küche oder Caterer
Der Caterer oder die Küche muss die Allergieliste vor jeder Bestellung erhalten – nicht einmalig, sondern laufend aktualisiert. Bei Änderungen (neues Kind, neue Diagnose, Abmeldung) muss die Information sofort weitergegeben werden. Vereinbaren Sie einen festen Kommunikationsweg: E-Mail an eine definierte Adresse, Fax oder ein gemeinsames digitales Dokument. Mündliche Absprachen reichen nicht.
Notfallverfahren
Für Kinder mit schweren Allergien (Anaphylaxie-Risiko) muss ein Notfallplan vorliegen. Dieser enthält: das auslösende Allergen, die Symptome, die Erstmaßnahmen und den Aufbewahrungsort des Notfallsets (Adrenalin-Autoinjektor). Alle Mitarbeitenden, die regelmäßig mit dem Kind arbeiten, müssen in der Anwendung geschult sein. Die Abholberechtigten sollten ebenfalls dokumentiert sein, damit im Notfall die richtigen Personen informiert werden.
Ein Speiseplan ist wie ein Stundenplan: Er funktioniert nur, wenn alle wissen, wer an welchem Tag dabei ist. Ohne verlässliche Anwesenheitsdaten plant die Küche blind.
An- und Abmeldung zum Essen
Die Frage, wer an welchem Tag mitisst, klingt einfach. In der Praxis erzeugt sie erheblichen Verwaltungsaufwand. Kinder fehlen kurzfristig wegen Krankheit, Arzttermin oder Ferienbetreuung. Andere kommen nur an bestimmten Wochentagen.
Ein klar definierter Abmeldeprozess ist entscheidend. Bewährt hat sich eine Frist von 8:00 Uhr am gleichen Tag oder 18:00 Uhr am Vortag. Spätere Abmeldungen können nicht mehr an den Caterer weitergegeben werden – das Essen wird geliefert und bezahlt, auch wenn das Kind fehlt. Kommunizieren Sie diese Frist klar an die Eltern, am besten schriftlich bei der Anmeldung.
Umgekehrt braucht es auch Regeln für spontane Teilnahme. Darf ein Kind, das normalerweise nicht am Essen teilnimmt, ausnahmsweise mitessen? Und wenn ja: Wie wird das abgerechnet? Legen Sie einen Puffer von 5 bis 10 Prozent über der regulären Bestellmenge fest, um solche Fälle abzufangen.
Hygienevorschriften und Qualitätsstandards
Wer Essen an Kinder ausgibt, unterliegt dem Infektionsschutzgesetz (§ 42/43 IfSG). Alle Personen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, benötigen eine Belehrung durch das Gesundheitsamt. Diese Erstbelehrung muss vor Aufnahme der Tätigkeit erfolgen. Danach ist eine jährliche Folgebelehrung durch den Arbeitgeber vorgeschrieben – dokumentiert und unterschrieben.
Zusätzlich sollte jeder OGS-Standort ein HACCP-Konzept (Hazard Analysis and Critical Control Points) führen. In der Praxis bedeutet das: Temperaturen bei der Anlieferung prüfen und protokollieren, Warmhaltetemperaturen überwachen (mindestens 65 °C), Rückstellproben aufbewahren und Reinigungspläne einhalten. Viele Caterer liefern entsprechende Vorlagen mit.
Die DGE-Qualitätsstandards für die Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung geben einen Rahmen für die ernährungsphysiologische Qualität vor: täglich Gemüse und Obst, maximal zweimal pro Woche Fleisch, regelmäßig Fisch, Vollkornprodukte bevorzugt. Die Zertifizierung ist freiwillig, aber ein gutes Argument gegenüber Eltern und Träger.
Anwesenheit als Grundlage der Essensplanung
Die tägliche Essensbestellung hängt direkt an der Frage: Wie viele Kinder sind heute da? Wer fehlt? Wer ist krank gemeldet? Eine zuverlässige digitale Anwesenheitserfassung liefert genau diese Zahlen – täglich, aktuell und ohne Zettelwirtschaft.
Mit einer App wie OGS Verwaltung sehen Sie morgens auf einen Blick, welche Kinder angemeldet sind und welche fehlen. Das erleichtert die Bestellmenge für den Caterer, reduziert Lebensmittelverschwendung und sorgt dafür, dass kein Kind ohne Essen dasteht. Die Allergiedaten der einzelnen Kinder sind im System hinterlegt und für das Team jederzeit einsehbar.
Fazit
Das Mittagessen in der OGS ist weit mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist ein organisatorischer Prozess, der Verpflegungsmodell, Kostenkalkulation, Allergiedokumentation, Hygienevorschriften und tägliche Bestelllogistik miteinander verbindet. Wer diesen Prozess strukturiert angeht – mit klaren Zuständigkeiten, dokumentierten Abläufen und verlässlichen Anwesenheitsdaten – vermeidet Fehler, schützt Kinder und entlastet das eigene Team.